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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Institut für Slawistik und Hungarologie

Das Institut für Slawistik und Hungarologie gedenkt Frau Prof. Dr. Nyota Thun.

 

Nyota Thun (7. Juni 1925 – 15. Juli 2021)

 

Im Alter von 96 Jahren verstarb am 15. Juli Frau Prof. Dr. Nyota Thun. Nach einem Studium der Slawistik und Romanistik in Leipzig promovierte sie 1955 an der Humboldt-Universität. 1950–56 war Nyota Thun Lehrbeauftragte für Geschichte der russischen Sowjet­literatur an der HU. 1958–61 arbeitete sie als Auslandskorrespon­dentin der DDR-Wochenzeitung „Sonntag“ in Moskau. Zurück in Ber­lin war sie 1962–65 verantwortliche Lektorin in den Verlagen „Kultur und Fortschritt“ und „Volk und Welt“. 1965–68 war Nyota Thun wie­derum wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HU, bevor sie 1969 in derselben Funktion an das Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR wechselte, wo sie bis 1985 blieb. Dort habilitierte sie sich 1973 und wurde 1977 zur Professorin ernannt.

 

Nyota Thun, „Slawistin der ersten Stunde in der Sowjetischen Besat­zungszone Deutschlands“ (Reinhard Lauer FAZ 17.3.2001), forschte als eine der wenigen in der DDR vor allem über die russische Litera­tur der 1920er Jahre: zur Entwicklung des Literaturbetriebs, der literarischen Kommunikation, der Lyrik und der Prosa von Michail Bulgakow, Jurij Tynjanow, Andrej Platonow und Marina Zwetajewa. Zwischen 1975 und 1985 gab Nyota Thun die gesammelten Werke von Alexej Tolstoi heraus. Einen Schwerpunkt ihrer Forschung bil­dete Wladimir Majakowski, dessen Leben und Werk Nyota Thun zwei Monographien (1993 und 2000) widmete. Während sie in der ersten Majakowskijs Anfänge als Maler und Dichter ins Zentrum stellte, legte sie mit der zweiten eine Biographie vor, die die Widersprüch­lichkeit dieses Avantgarde-Dichters ins Blickfeld rückt.

 

Monographien von Nyota Thun:

Das erste Jahrzehnt. Literatur- u. Kulturrevolution in der Sowjet­union. Berlin 1973, München 1974; Puschkinbilder. Bulgakow, Tyn­janow, Platonow, Sostschenko, Zwetajewa. Berlin, Weimar 1984; Adressatenwechsel. Literarische Kommunikation in Sowjetrußland (1917–1930). Berlin 1987; Majakowski – Maler und Dichter. Studien zur Werkbiographie. 1912–1922. Tübingen, Basel 1993; „Ich – so groß und überflüssig“. Wladimir Majakowski. Leben und Werk. Düs­seldorf 2000.

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