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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Institut für Slawistik und Hungarologie

Jaroslav Rudiš (Prag)

Siegfried-Unseld-Gastprofessor im WS 2012/2013

Jaroslav Rudiš ist ein tschechischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramatiker. Er wurde 1972 in Turnov in der Tschechoslowakei geboren. Rudiš studierte Germanistik, Geschichte und Journalistik an den Universitäten Liberec, Prag, Zürich wie Berlin und arbeitete kurzzeitig als Deutschlehrer. Dann kam er durch ein Journalistenstipendium nach Berlin, wo sein erster Roman entstand – eine Liebeserklärung an die Berliner U-Bahn. Seit 2002 ist er als freier Autor tätig.

Rudiš schreibt auf Tschechisch und Deutsch. Seine Romane wurden ins Deutsche, Polnische, Serbische, Schwedische, Französische, Finnische und Italienische übersetzt. Für sein Debütroman „Nebe pod Berlínem“ (Der Himmel unter Berlin) erhielt er den Jiří-Orten Preis. 2007 wurde ihm der Magnesia Litera Leserpreis für seinen Roman Grandhotel (Grand Hotel) verliehen.

In seinem Debüt Nebe pod Berlínem (Der Himmel unter Berlin) entführt Jaroslav Rudiš den Leser in die Unterwelt der Berliner U-Bahn. Bei Alexander Kissler vom Deutschlandfunk (25. März 2005) klingt das Fazit zum Buch so: „Dass die U-Bahn hier als Purgatorium dient, als putzmunteres Zwischenreich, dass Berlin also errichtet ist auf einer Vergangenheit, die nicht vergehen will und die nicht vergehen darf, weil nur aus dem Vergangenen Berlin seine Vitalität bezieht: diese bitterböse Deutung lässt Rudiš zu, ohne sie den Lesern aufzudrängen. Auch dank dieser Nonchalance ist Der Himmel unter Berlin ein rundum erstaunliches Debüt.“

Zusammen mit dem Zeichner Jaromír 99 schuf Jaroslav Rudiš die Comic-Trilogie Alois Nebel, die mittlerweile als mehrfach ausgezeichneter Animationsfilm vorliegt. Sie beschreibt die Alpträume und Visionen des Fahrdienstleiters Alois Nebel an der Bahnstation Bilý Potok, einem tschechisch-polnischen Grenzort im ehemaligen Sudentenland, den die Verheerungen des 20. Jahrhunderts einholen.

Mit dem Roman Potichu (Die Stille in Prag) schrieb sich Rudiš auf die ihm eigene Weise ein in die Prag-Literatur des 21. Jahrhunderts. Dirk Schümer meint dazu in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (24. März 2012): „Rudiš ist gegenwärtig einer der interessantesten Autoren seiner Breiten, weil er die Entwicklungen mitlebt, ein Ohr für die Historie hat (…) und auch in diesem schönen, genau beobachteten, melancholischen Zeitroman Geschichten fast wie ein Tontechniker einzufangen vermag.“


ROMANE / COMICS
(Deutsch von Eva Profousová)

2012 Alois Nebel

2010 Vom Ende des Punks in Helsinki

2007 Die Stille in Prag

2006 Grandhotel

2002 Der Himmel unter Berlin

 

Die Antrittsvorlesung von Herrn Jaroslav Rudiš fand am Donnerstag, dem 13. Dezember 2012, im Collegium Hungaricum Berlin statt und trug den Titel:

Nebel im Fahrplan. Eine Eisenbahnreise durch Mitteleuropa