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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Institut für Slawistik und Hungarologie

Q-Team Konstruktion von ᴁquivalenz

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Narrative konstruieren | Kompetenzorientierte Curriculumsplanung | Konstruktion von Äquivalenz | Humboldt-Senior Advisor

 

Titel

Konstruktion von Äquivalenz: Grammatische Kategorien im Sprachvergleich

Auf welcher Grundlage entscheiden bilinguale Sprecher, was zwischen Sprachen gleich ist?

Das Projekt

Das Q-Team soll der Frage nachgehen, wie bi- oder multilinguale Sprecher die Funktionen, welche grammatische Kategorien innerhalb verschiedener Sprachen wahrnehmen, als äquivalent interpretieren. Der Frage liegt zum einen die Annahme zugrunde, dass grammatische Kategorien weder in allen Sprachen gleichermaßen vorhanden sind, noch alle Sprache die gleichen Kategorisierungen vornehmen. Während z.B. einige Sprachen über keine morphologische Kasusmarkierung verfügen, besitzen andere vielgliedrige Kasussysteme. Die Nullhypothese des Projekts ist daher, dass Sprachen prinzipiell nicht vergleichbar sind. Dennoch fällt es Mehrsprachigen nicht schwer, passende Entsprechungen zwischen den von ihnen beherrschten Sprachen zu finden. Beispielsweise werden Funktionen, die eine Sprache über die Wortstellung oder Präpositionen ausdrückt, ohne Schwierigkeiten in einen Kasus übersetzt. Auch bei der Vermischung von Elementen zweier Sprachen innerhalb einer Äußerung (Code-Mixing) weisen die "fremden" Einfügungen meist eine hohe Äquivalenz zu den an der gleichen Stelle möglichen einsprachigen Satzteilen auf. Da die Ähnlichkeit zwischen zwei Kategorien nicht per se existiert, muss sie vom Sprecher jedoch erst geschaffen oder "konstruiert" werden. Die erste Teilfrage lautet daher:

Auf welcher Grundlage entscheiden bilinguale Sprecher, ob zwei Kategorien äquivalent sind?

Die zweite Annahme, auf welcher die Fragestellung fußt, ist, dass grammatischen Kategorien selber jeweils nur innerhalb eines bestimmten syntaktischen Kontextes (einer Konstruktion) eine Funktion besitzen. Während eine einfache Gegenüberstellung zweier grammatisch markierter Elemente für Mehrsprachige kein Problem ist, bereitet die adäquate Verwendung der Kategorien in Konstruktionen offensichtlich größere Probleme, die zu bekannten Phänomenen wie Transferenz/Interferenz oder Lehnübersetzungen führen. Diese Schwierigkeiten haben offensichtlich mit der Natur der beteiligten Konstruktionen zu tun. Die zweite Teilfrage lautet daher:

Welche Rolle spielen Konstruktionen bei der Bildung von Äquivalenz?

Teilfragen, die von den Teilnehmern des geplanten Q-Team bearbeitet werden können, sind u.a.:

  • Hat die Ähnlichkeit von Formen Einfluss auf Äquivalenz?

  • Wie (oberflächenorientiert, konstruktionsbasiert, funktionsorientiert?) wird die Form grammatischer Kategorien interpretiert ?

  • Was ist die Schnittstelle von Äquivalenz? (Form, Bedeutung, Konstruktion, ...?)

  • Gibt es intra- oder interpersonelle Varianz bei der Äquivalenzwahrnehmung?

  • Ist die Äquivalenz zweier Kategorien konstruktionsabhängig?

  • Ist Äquivalenz konventionalisiert oder (kontextabhängig, registerabhängig?) wandelbar?

  • Ist Äquivalenz prototypisch organisiert?

  • Welche Reichweite hat Äquivalenz? Bis zu/ ab welcher Konstruktionsgröße spielt sie eine Rolle?

Umfeld

Das Q-Team soll an mein Dissertationsprojekt "Grammatische Enkodierung bei Bilingualen: Ein konstruktionsgrammatischer Ansatz" angebunden werden. Das Vorhaben umfasst die Entwicklung eines Modells dieses Teilprozesses der Sprachproduktion, welches von den sprachtheoretischen Überzeugungen der Konstruktionsgrammatik ausgehend psycholinguistische und strukturlinguistische Erkenntnisse der Mehrsprachigkeitsforschung kombiniert.

Beide oben erwähnten Fragen sind bisher noch nicht in der Forschung behandelt worden. Viele Grammatiktheorien nehmen an, dass grammatische Kategorien prinzipiell vergleichbar sind und klammern eine empirische Überprüfung deswegen aus. Typologische Arbeiten allerdings zeigen, dass diese Annahme nicht nur zweifelhaft ist, sondern oft zu fehlerhaften Analysen führt. Auch die Bilingualismusforschung nimmt Äquivalenz zwischen grammatischen Kategorien einfach an, ohne sie zu problematisieren. In der Translationswissenschaft wird der Äquivalenzbegriff meist nur im Rahmen der Angemessenheit der sprachlichen Mittel diskutiert.

Für Wen

Das Q-Team ist für Bachelorstudenten gedacht, die kurz vor dem Studienabschluss stehen. Die Studenten sollten in der Lage sein, sprachliche Daten zu analysieren und (nach Anleitung) zu annotieren, solide Kenntnisse eines slawischen bzw. des deutschen Sprachsystems haben und Grundwissen über die verschiedenen grammatischen Theorien besitzen. Da sich der Begriff Bilingualismus im Rahmen dieses Projekts vor allem auf die Kombination Slawisch-Deutsch konzentriert, richtet es sich vor allem an Studenten des Instituts für Slawistik, aber auch an Germanistikstudenten und Studenten anderer Philologien.

Anrechnung

Die Teilnahme am Q-Team wird als Lehrveranstaltung angerechnet. (4 Punkte, anrechenbar in den Modulen 10 und 7a für die B.A. Slawische Sprachen und Literaturen und Russisch, als BZQ für alle anderen)

Umsetzung

Die Forschungsfragen sollen entweder anhand einer korpuslinguistischen Untersuchung an vorhandenen mehrsprachigen bzw. Parallelkorpora oder (vorzugsweise) an einem eigenen zu erstellenden Korpus oder mithilfe einfacher elizitierender Experimente (Imitation, Reproduktion, Priming o.ä.) bearbeitet werden. Vorkenntnisse dazu sind nicht notwendig, aber sicherlich hilfreich. Als Informanten dazu sollen Slawisch-Deutsche Bilinguale in Berlin dienen. Sollte die Erhebung von Korpusdaten geplant werden, wäre diesbezüglich eine Anbindung an das Seminar „Mehrsprachigkeit und Sprachstruktur“ möglich.

Neben der eigentlichen Projektarbeit werden wir nach Möglichkeit insgesamt 3 Fachgespräche mit Fachvertretern (Doktoranden oder Professoren) aus den Bereichen Bilingualismus, Konstruktionsgrammatik und der ausgewählten empirischen Methode führen, um eine wissenschaftliche Diskussion zu erfahren.

Arbeits- und Zeitplan

Die genaue zeitliche Einteilung und die wöchentliche Forschungszeiten werden wir gemeinsam zu Beginn festlegen. In den Semesterferien ist natürlich Pause ;)

Phase 1 - Vorbereitung (2 Monate) 15.4.-15.6.2013

  • Kennenlernen der Problematik: Einführungsseminar

  • Lektüre: Konstruktionsgrammatik, Bilingualismus, Typologie

  • 2 Fachgespräche mit Doktoranden und/oder Professoren zu den Themen

    • Ziel: Gemeinsames Thesenpapier

Phase 2 - Planung (2 Monate) 15.6.-15.8.2013

  • Formulieren der Fragestellung, Auswahl eines Untersuchungsdesigns

  • Lektüre: Korpuslinguistik oder experimentelle Methoden in der Linguistik

  • 1 Fachgespräch mit Doktorand oder Professor zur Methode

  • Hypothesen bilden und Forschungsdesign entwickeln

    • Ziel: Ausformuliertes Untersuchungsdesign

Phase 3 – Durchführung (2 Monate) 15.8.-15.10.2013

  • Probandenauswahl

  • Pilotversuch

  • Durchführung der Untersuchung

    • Ziel: Mündliche Präsentation der Daten

Phase 4 - Auswertung (2 Monate) 15.10.-15.12.2013

  • Lektüre: Statistische Auswertung linguistischer/experimenteller Daten

  • Auswertung, Interpretation und Aufbereitung der Ergebnisse

    • Ziel: Präsentation und Abschlussbericht

Ziel

Das Ziel des Q-Team ist zunächst einmal, eigenständige Forschung in einem spannenden Umfeld zu betreiben. Die Ergebnisse des Projekts sollen im Rahmen eines gemeinsamen Vortrages am Institut für Slawistik (und evtl. am Institut für Deutsche Sprache und Linguistik) vorgestellt werden. Darüber hinaus wird ein kurzer Abschlussbericht angefertigt, der Forschungsfrage, Herangehensweise und Ergebnisse dokumentiert. Sollten die Ergebnisse wissenschaftliche Relevanz erreichen, wäre auch eine gemeinsame Publikation möglich.